Das Vergabeverfahren

Ich bekam viele Fragen danach, welches Ausleihverfahren wohl das beste wäre. In einem Treffen von verschiedenen deutschen Saatgutbibliotheken kristallisierten sich folgende Möglichkeiten heraus:

a) Saatgut darf nur von Bürger*innen mit einem Bibliotheksausweis (oder Studierendenausweis) ausgeliehen werden, sodass das Saatgut wirklich wie ein Buch ausgeliehen wird und man nachverfolgen kann, wo es geblieben ist und welche Sorten mitgenommen werden. Das hat allerdings den Nachteil, dass ein Großteil der Bewohner*innen ausgeschloßen oder demotiviert wird am Projekt teilzunehmen. 

b) Jede*r darf sich so viel mitnehmen, wie er/sie möchte. Einerseits hat das den Vorteil, dass mehr Leute Interesse zeigen, andererseits besteht ein hohes Risiko das Saatgut nicht wieder zu bekommen oder es nicht mehr samenfest und sortenrein ist. Unsere Bibliotheken haben sich für diese Möglichkeit entschieden, u.a. weil sie die Nutzer*innen (persönlich) kennen und somit wissen, wer sich etwas ausgeliehen hat. Wenn es allerdings keine*n Hauptverantwortliche*n gibt, würde ich diese Variante nicht empfehlen.

c) Jede*r darf sich Saatgut ausleihen aber es wird z.B. durch einen Barcode gescannt, welches und wie viel mitgenommen wird, um einen Überblick zu behalten, was im nächsten Jahr fehlt.

 d) Jeder darf sich Saatgutausleihen und es wird eine Liste zur Verfügung gestellt, in der die Art und Menge des Saatguts, sowie der Name notiert wird, als freiwillige Angabe. Bitte überprüft hier, wie die Lage zum Datenschutz geregelt ist.

Welche dieser Möglichkeiten am erfolgreichsten ist, lässt sich momentan noch nicht sagen.

Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!

Wie kann ich die Saatgutbibliothek erweitern?

Nachdem ich in einem anderen Blogpost eine Anleitung erstellt habe, wie man eine Saatgutbibliothek gründet, so soll dieser Eintrag dazu dienen, die schon bestehende Saatgutbibliothek zu verschönern/verbessern.
Wir haben die folgenden Ideen zusammengesammelt oder von anderen Saatgutbibliotheken vorgeschlagen bekommen:

  1. Kreiere eine “Kinder-Ecke” mit Blumen- und Gemüsesaatgut, das leicht anzupflanzen ist, wie z.B. Sonnenblumen 
  1. Überlege dir, ob du ein bestimmtes Ziel mit der Saatgutbibliothek verfolgen willst (Erhalt von historischem Saatgut, Fokus auf bienenfreundliche Blumen,…). Sammle hierzu Spenden oder starte Aufrufe, um genau dieses Saatgut zu bekommen.
  1. Organisiere Veranstaltungen zu verschiedenen Themen:
    – “Wie trockne ich Saatgut richtig?”
    – “Was bedeutet Privatisierung von Saatgut und welche Folgen entstehen dabei?”
    – “Welche Vorteile hat historisches oder lokal gezüchtetes Saatgut?”
  1. Etabliere eine Plattform für die Gemeinschaftsmitglieder, wo diese sich über das Thema austauschen und gegenseitig helfen können. Es ist wichtig zu entscheiden, welche Plattform Sie verwenden möchten. Ein Vorschlag könnte Facebook-Gruppen sein, weil es eine häufig genutzte Plattform für Menschen ist. Entscheiden Sie auch, ob Ihre Gruppe öffentlich oder eine geschlossene Gruppe sein soll.
  1. Starte ein Rezeptbuch mit den Kräutern, Gemüsesorten und möglicherweise auch Blumen, die in der Saatgutbibliothek angeboten werden. 

Wenn du weitere Ideen hast, kannst du diese gerne unter dem Eintrag auf unsere Instagram Seite saatgutbibliotheken_niedersachsen kommentieren.

Bleibt gesund!
Das Saatgutbibliotheken Niedersachsen- Team

Verfasst von: Paulina

Wie erstelle ich eine Saatgubibliothek? Schritt-für-Schritt

Zuallererst ist es gut zu wissen, dass die Erstellung einer Saatgutbibliothek keinen festen Regeln folgen muss. Der Stand und das Vorgehen können individuell gestaltet werden. Auch der bestmögliche Zeitpunkt zum Start des Projekts ist unterschiedlich. Diese Anleitung beschränkt sich auf unsere Erfahrung und wir empfehlen dir, dass du dich nach weiteren Vorgehensweisen umschaust (auf englisch sind mehr Anleitungen zu finden) oder Videos zum Thema anguckst. Die Punkte sind nur in einer groben Reihenfolge, da viele von ihnen gleichzeitig und abhängig voneinander stattfinden.

  1. Finde einen öffentlichen Ort für deine Saatgutbibliothek.
       
    In welchem Ort könnte das Projekt auf Interesse stoßen?
        Gibt es dort eine Bibliothek oder andere frei zugängliche Gebäude?



2. Kläre, wer sich um den Aufbau, die Instandhaltung und den   “Vertrieb” kümmern wird. 

Wer ist vor Ort und hat ein wenig Zeit für das Projekt? 



3. Die richtigen Samen und dein Ziel:

Die Samen müssen samenfest und möglichst sortenrein sein, um den Grundgedanken des Erhalts der Merkmale zu erfüllen. Wenn du mit diesen Eigenschaften nicht vertraut bist, informiere dich bitte! Ansonsten steht es dir frei zu wählen, ob du bienenfreundliche Blumen, Gemüse, Kräuter, alte Sorten, regionale Sorten, etc. anbieten möchtest. Wir empfehlen zu Beginn anfängerfreundliche und einjährige Sorten. 


4. Die Samen bekommen.

    Dieser Punkt ist ein wenig knifflig und es gibt mehrere Möglichkeiten:

a) Ich bediene mich eines Budgets oder rufe nach Geldspenden auf, um genau die Samen zu kaufen, die ich verbreiten möchte. (Das hat außerdem den Vorteil, dass man Initiativen, die sich für den Schutz und die Verbreitung bestimmter Sorten einsetzen, unterstützen kann)

b) Ich rufe nach Saatgutspenden auf. Das kann erfolgreich sein, bedarf aber einer größeren Vorlaufzeit, die richtige Saison und ausreichend Aufrufe, dass die Bürger*innen auch von der Aktion mitbekommen. 

c) Ich höre mich im Bekanntenkreis um, frage bei Initiativen, Kleingärtnervereinen und Unternehmen nach und starte zusätzlich öffentliche Aufrufe. (Das hat den Nachteil, dass es lange dauern kann bis man Samen bekommt, man nicht das gewünschte Saatgut bekommt oder gar keine Spenden eingehen, aber es ist kostenlos)

5. Die richtigen Informationen.
Nachdem du dein Saatgut gesammelt oder gekauft hast ist es wichtig den Bürger*innen Anleitungen und Informationen über das Saatgut mitzugeben. Überlege dir, ob du eine eigene Infoseite, Flyer o.Ä. erstellst, wo beschrieben ist, was das für Saatgut ist, wie es sich gegenüber anderen Pflanzen verhält (Kürbisse und Zucchinis neigen beispielsweise zu Kreuzungen, wodurch sie giftig werden können) und wie es anzubauen ist. Zusätzlich solltest du Informationen bereitstellen, wie man Saatgut richtig trocknet.

6. Wie soll die Saatgutbibliothek aussehen? 

 Verpacke ich das Saatgut in gebastelten oder gekauften Tüten?

Stelle ich das Saatgut in Gläsern zur Verfügung und jede*r soll einen eigenen  Behälter mitbringen? 

Stelle ich Bücher zum Thema und Gartengeräte zum Stand hinzu?

Ist der Stand ein Regal, eine selbstgebaute Kiste oder benutze ich etwas ganz anderes? 

7. Wie soll die Ausleihe ablaufen?

Normalerweise dürfen alle Bürger*innen ohne eine Mitgliedschaft in der Bibliothek zu haben, Samen ausleihen.

Wie stelle ich sicher, dass die Leute das Saatgut wieder zurückbringen?
Du kannst eine Liste erstellen, in die Leute ihren Namen, das ausgeliehene Saatgut und eine Kontaktmöglichkeit angeben. Eine andere Möglichkeit wäre es Barcodes auf die Saatguttüten zu drucken, diese einzuscannen und den Namen dann in ein System einzugeben. Alternativ kann man auch darauf vertrauen, dass die Bürger*innen das Saatgut zurückbringen und sie über die Notwendigkeit dessen genügend auklären. 

Wie viele Tüten/Samen dürfen mitgenommen werden? 

8. Werben.

Je nachdem, ob man Spendenaufrufe startet oder nicht, verschiebt sich der bestmögliche Zeitpunkt ein Zeitungs- oder Radiointerview zu geben. Dennoch sollte sichergestellt werden, dass die Leute rechtzeitig (wenn Saatgut vorhanden ist, vor der Aussaat) von der Saatgutbibliothek mitbekommen. Das kann durch die Zeitung, das Radio, das Fernsehen, die Bibliothekswebsite oder andere social media/Internetseiten geschehen.

9. Partnerschaften und finanzielle Unterstützung. 

Möchte ich eine Partnerschaft mit einer Organisation, Initiative oder Privatperson eingehen?
Dies kann den Vorteil haben, dass gemeinsam Events zum Thema Gärtnern oder Saatguttrocknen organisiert werden können und man eine Ansprechperson vom (ökologischen) Fach hat. Es kann außerdem hilfreich sein sich mit Leuten in Verbindung zu setzen, die organisatorische Erfahrungen haben.
Um finanzielle Unterstützung zu bekommen, muss man Zeit einplanen. Man kann sich dafür zum Beispiel bei der Bingo Umweltlotterie bewerben.


10. Wenn man Budget zur Verfügung hat:

Kaufe ich damit Samen? Erstelle ich damit Flyer? Kreiere ich ein Logo oder Saatguttüten, die auf meine Saatgutbibliothek zurückzuführen sind? Kaufe ich Bücher oder Werkzeug? 


11. Feier deine Erfolge!

Ein Projekt kann sehr stressig sein und manchmal vergisst man sich die Zeit zum Zelebrieren zu nehmen. Es kann sein, dass im ersten Jahr nicht so viele Samen zurückkommen wie erhofft, lass dich davon nicht entmutigen und starte wenn nötig neue Aufrufe. Im Winter kannst du außerdem eine “Winterpause”, also einen Entnahmestopp einlegen, falls du das Gefühl hast, dass deine Saatgutbibliothek sonst leer wird.


Ich hoffe, dass diese Tipps und Fragen dir bei der Erstellung einer (oder mehrere) Saatgutbibliotheken helfen und du damit wertvolle ökologische, soziale und politische Ziele erreichst. Außerdem steht dir noch ein Dokument zur Verfügung, wie du die Saatgutbibliothek erweitern kannst, wenn sie erstmal erstellt wurde. 
Zuletzt möchte ich betonen, dass dies keine Garantie für Erfolg ist und diese Anleitung rein auf unserer Erfahrung beruht.

Viel Erfolg und viel Spaß!
Das Saatgutbibliotheken Niedersachsen- Team 

Verfasst von: Paulina

Kürbis- und Zuchinni- Pflanzer*innen aufgepasst!

Wenn Kürbisse und Zucchinis in der Nähe von giftigen Zierkürbissen wachsen, kann es passieren, dass diese sich kreuzen. Das hat zur Folge, dass die Pflanzen im nächsten Jahr tödlich sein könnten. Falls so eine Kreuzung vorgekommen sein sollte, erkennt man das am bitteren Geschmack.

Wir raten Laien davon ab Kürbisse oder Zuchinnis zu pflanzen, wenn die Möglichkeit einer Kreuzung besteht.

An dieser Stelle: Informieren Sie sich bitte über die Sorten, die sie pflanzen wollen bevor Sie diese säen.

Was man über die Saatgutsorten wissen sollte:

  • Was sind Fremdbefruchter?

    Fremdbefruchter sind Sorten, die dazu neigen sich mit anderen Sorten zu kreuzen. Um die Sortenreinheit zu bewahren, müssen die Pflanzen mit Tüten geschützt und per Hand bestäubt werden.

  • Was sind mehrjährige Sorten?

    Mehrjährig bedeutet, dass die Sorten erst im Zweiten und nicht wie bei einjährigen Sorten im ersten Jahr blühen.

Die Informationen wurden uns von Dipl.-Biologe Peter Szekeres zur Verfügung gestellt.

Anleitungen:

Bohnen:

Wann?
Die Aussaat sollte zwischen Mitte Mai und Ende Juni stattfinden.
Die Haupterntezeit ist im Juli und August. Ob die Bohnen reif sind lässt sich herausfinden, indem man eine Bohne in der Mitte durchbricht. Ist es ein glatter Bruch, sind die Bohnen bereit geernet zu werden.

Wie viele Bohnen?
Bei einer Reihensaat sollte alle 8 cm eine Bohne 2-3cm tief in die Erde gesät werden. Falls mehrere Reihen gesät werden, sollte zwischen ihnen 40 cm Platz gelassen werden.

Worauf muss ich achten?
-Die Pflanzen brauchen eine Ranghilfe, also entweder Stöcke oder Gitter, die die Pflanzen tragen.
-Bohnen wachsen gerne neben Gemüse wie Salat und Gurken, während Lauchgewächse wie Erbsen und Knoblauch als Nachbar vermieden werden sollten.
– Im Halbschatten wachsen Buschbohnen besser als Stangenbohnen.

Bohnen Trocknen:
Die Bohnen müssen vollkommen ausreifen und bei trockenem Wetter z.B. auf Zeitungspapier ausgelegt werden. Die Bohnen sollten dort mindestens zwei Wochen trocknen, sodass sie haltbar gemacht werden. Zur weiteren Aufbewahrung eignen sich Gläser besonders gut.

Bunter Salatmix:
asiatischer Mischsalat, Blattsalat und Rucola

Wann?
Die Aussaat sollten von Mitte März bis Ende Juli durchgeführt werden.
Die Haupterntezeit liegt dementsprechend zwischen Mitte April und Mitte August.

Wie funktioniert die Aussaat?
Füllen Sie einen langen Behälter mit Erde und rollen Sie die Samen mit dem Papier darauf aus. Befeuchten Sie das Samenpapier und bedecken Sie es mit einer dünnen Schicht Erde. Anstatt die Samen mit einer Gießkanne zu gießen, wässern Sie diese mit einem Sprühkopf o.ä.

Gemüsesorten

Dies sind die Sorten, die wir zu Anfang unseres Projekts gespendet bekommen haben. Beachten Sie bitte, dass dieser Beitrag keine Bestandsliste ist und Sie bei den Bibliotheken direkt nachfragen müssen, welche Sorten noch zu haben sind.

Römersalat

Rotes Teufelsohr

Forellenschluss

Paprika

Roter Augsburger

Frühzauber

Glockenpaprika

Sweet Chocolate

Möhre

Pariser Markt

Tomate

Sunviva

Green Zebra

Tigerella

Weisse Samt Pfirsich

Onkel Gustav

Reisetomate

Roter Heinz

Cherokee Purple

Alter Kommunist

Black Plum

Rote Murmel

Brandywine Cherry

Lämpchen

Mammoth German Gold

Tomatillo

Purple

Bohnen

Stuttgarter Herrenböhnli

Stangenbohne Napoleon

Stangenbohne Hildesheimer

Lila

Monstranzbohne

Gelbes Posthörnchen

Eisbohne II

Berliner Markthallen

Yin und Yang

Ackerbohne Deister

Kürbis

Boston Marrow

Erdkirsche

Molly’s

Rote Beete

Tondo di Chioggia

Radieschen

Eiszapfen

Chilli

Criolla Sella


Das Saatgut wurde uns großzügigerweise von VEN, Das Grosse Freie, Tomaten Retter und Bingenheimer Saatgut AG zur verfügung gestellt.

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